Häufig gestellte Fragen zur Suzuki-Methode (FAQs)
1. Wieso heißt die Methode "Suzuki-Methode"?
2. Wieso wird am Anfang ohne Noten gespielt?
3. In welchem Alter sollten Kinder anfangen ein Musikinstrument/Geige zu lernen?
4. Ist die Suzuki-Methode eine "Drill-Methode"?
5. Wie müssen die Eltern mithelfen?
6. Was unterscheidet die Suzuki-Methode vom traditionellen Instrumentalunterricht?
7. Wie sind Suzuki-Lehrkräfte ausgebildet?
8. Warum ist die Methode so umstritten?
1. Wieso heißt die Methode "Suzuki-Methode"?
Die Methode wurde nach dem japanischen Pädagogen Shinichi Suzuki (1898 - 1998) benannt. Suzuki hat im Laufe von 70 Jahren ein musikpädagogisches Lehrwerk entwickelt und verfeinert, das auch nach seinem Tode von zahlreichen Suzuki-Lehrkräften weltweit verwendet und weiterentwickelt wird.
Es geht bei der Suzuki-Methode nicht primär darum, Instrumentalisten und Spitzenbegabungen zu fördern. Suzuki möchte vor allem gute Bürger formen und nannte seine Methode "Talenterziehungsschule". Seine methodische Vorgehensweisen, die letztlich Talenterziehung als Lebenserziehung begreift, umschreibt er als Methode zur Entfaltung von Fähigkeiten. Sein Hauptwerk "Erziehung ist Liebe" ist ein umfassendes Plädoyer dafür. (siehe auch Kurzbeschreibung der Suzuki-Methode)
2. Wieso wird am Anfang ohne Noten gespielt?
Das Lernen in der Suzuki-Methode erfolgt analog zum Spracherwerb ("Muttersprachenmethode"): Kinder erlernen ihr Instrument durch Hören, Beobachten, Nachahmen und Verbesserung durch ihren Lehrer. Notenlesen ist - wie das Lesen beim Spracherwerb - eine sekundäre, dem primären Imitieren nachfolgende Fertigkeit.
3. In welchem Alter sollten Kinder anfangen ein Musikinstrument/Geige zu lernen?
"Ein Kind kann in keinem Alter so schnell, so intensiv und in einem so großen Umfang lernen wie im Vorschulalter. Die Erfahrungen, die das Kind in dieser Entwicklungsphase sammelt, wirken sich prägend auf sein weiteres Leben aus. Suzuki hat seine Methode genau auf die lernpsychologischen Erfahrungen mit kleinen Kindern abgestimmt, deshalbt ist ein Unterrichtsbeginn schon mit 3 oder 4 Jahren möglich. Er ist überzeugt, dass der Kontakt mit guter Musik nicht früh genug einsetzen kann und sich positiv auf die gesamte Entwicklung auswirkt." (Kerstin Wartberg)
4. Ist die Suzuki-Methode eine "Drill-Methode"?
Von vielen Zuhörern, die auf einem Suzuki-Konzert Geigenkinder Werke der Sololiteratur unisono spielen hören, wird Suzukis Erziehungskonzept als "Drill" empfunden. Das unerbittliche Durchhalten des Metrums, das Einhalten der vorgegebenen Strichweise, der Dynamik und der gleichen Artikulation wird oft kritisiert und es wird oft bemängelt, dass die Kreativität unterdrückt wird.
Derartige Meinungen stammen jedoch aus ungenügender Kenntnis der Methode. Um einen einheitlichen Klang, präzisen Rhythmus, musikalischen Ausdruck zu erreichen, bedarf es bei jungen Kindern ein jahrelanges Bemühen auf dem Instrument -sowohl die motorischen als auch die musikalischen Abläufe betreffend. Kommt es bei einem Suzuki-Konzert zu dem erwünschten Ergebnis, nämlich zu einem einheitlichen strahlenden Gruppenklang, ist dies eher positiv als negativ zu werten, setzt dies doch voraus, dass jedes musizierende Mitglied eine solide technisch-musikalische Grundlage hat. Diese wiederum ist unabdingbar für jegliche künstlerische Kreativität. Eines der wichtigsten Prinzipien Suzukis lautet: "Ohne Hast und ohne Rast":
"Er betont damit die freudige Ausdauer in selbstdisziplinierter Genauigkeit, das Wiederholen, das beharrliche lustvoll-disziplinierte Üben und Feilen an der Selbsterziehung, den Willen zur Perfektion der Ausführung bei jedem Anlauf; gemäß dem Zen-Ausspruch: Was ich tue, tue ich ganz; ich gebe mein Bestes. Und dies ganz selbstverständlich, mit Tatkraft, mit innerer Freude und unendlicher Sorgfalt, spielerisch-ernst." (P. Heitkämper)
In unserer rastlosen Zeit hören sich solche Gedanken für viele befremdend an und wird ein solches Erziehungskonzept als "Drill" abgewertet.
5. Wie müssen die Eltern mithelfen?
Ohne die aktive Mitarbeit der Eltern ist in der Suzuki-Methode ein erfolgreicher Unterricht nicht möglich: Die Eltern begleiten ihr Kind in die Gruppen- und Einzelstunden, machen sich Notizen und üben täglich zusammen mit dem Kind zuhause nach genauer Anweisung der Lehrkraft. Sie übernehmen also die Rolle des Lehrers unter der Woche. Sie begleiten ihr Kind auch zu den zahlreichen Vorspielen, Workshops etc.
Die wichtigste Aufgabe der Eltern ist aber, ein gutes musikalisches Umfeld zu schaffen: regelmäßig wertvolle Musik anzuhören, mit den Kindern auf Konzerte zu gehen. Analog zum Spracherwerb, in dem das Kind "in der Sprache badet" soll das Kind nun "in Musik baden".
6. Was unterscheidet die Suzuki-Methode vom traditionellen Instrumentalunterricht?
Schon die Grundinhalte sind elementar verschieden: Geht es beim traditionellen Unterricht in erster Linie um das Erlernen eines Instruments, so bedeutet Unterricht mit der Suzuki-Methode eine ganzheitliche Erziehung duch Musik, eine Lebenshaltung, die sich oft auf die ganze Familie, in der Kinder mit der Suzuki-Methode unterrichtet werden, auswirkt.
Suzuki-Instrumentalunterricht unterscheidet sich aber auch in der Struktur des Unterrichts und in der Vielfalt der Unterrichtsformen vom traditionellen Unterricht. Die Suzuki-Methode beinhaltet eine bunte Palette von Unterrichtsformen, die von Varianten des Einzel- und Grupenunterrichts bis hin zu Workshops, kleinen Vorspielen und großen festlichen Gruppen-, Solo-, Kammermusik- und Orchesterkonzerten reicht.
Suzuki-Methode setzt die aktive Mitarbeit der Eltern voraus. Der traditionelle Unterricht lässt die Eltern in der Regel vor der Tür, sie können ihre Kinder eventuell beim Jahreskonzert der Musikschule hören. Es kommt aber oft genug vor, dass Kinder in Musikschulen jahrelang Instrumentalunterricht nehmen, ohne ein einziges Mal aufzutreten.
Wird im traditionellen Unterricht Instrumentaltechnik eher durch Tonleitern, Etüden, Fingerübungen, bei Streichern auch durch Bogenübungen, vermittelt, sieht die Suzuki-Methode auf die Musik, d.h. technische Probleme werden bildhaft spielerisch über musikalische Einheiten beigebracht. Jedes Heft der Suzuki-Schule beinhaltet eine Anzahl von Musikstücken nach Schwierigkeitsgrad geordnet, und es wird innerhalb dieser Musikstücke das jeweilige technische Problem gelernt. Die Musikstücke werden ständig wiederholt, verfeinert und technisch weiterentwickelt (analog dem Spracherwerb, wo die gelernten Wörter in immer neuen Kontexten verwendet werden). Damit erarbeiten sich die Suzuki-Schüler ein großes Repertoire und erreichen durch ständiges Wiederholen des Repertoires eine große Sicherheit und einen selbstverständlichen Umgang mit dem Instrument.
Für Suzuki-Kinder sind Vorspiele in der Regel problemlos und durch die Konzerte kann man ihne auch höhere Ziele vermitteln, nämlich wie sie mit ihrer Musik anderen große Freude bereiten können: durch Vorspielnachmittage in Altenheimen,Kirchen, Krankenhäusern. Dieser Aspekt fehlt in der Regel im Musikschulalltag völlig.
7. Wie sind Suzuki-Lehrkräfte ausgebildet?
Zusätzlich zum Musikstudium beinhaltet die Ausbildung zur Suzuki-Lehrkraft eine Zusatzqualifikation, die mit dem A-Diplom innerhalb der 5-stufigen Ausbildung endet. Es kommt auch leider immer wieder vor, dass sich jemand als "Suzuki-Lehrkraft" bezeichnet, aber nur eine Stufe in der Suzuki-Lehrerausbildung absolviert hat. Eltern ist deshalb zu raten, sich ein genaues Bild über die Qualifikation eines potentiellen Suzuki-Lehrers zu machen und im Unterricht zu hospitieren sowie Konzerte zu besuchen. (Weitere Infos zur Lehrerausbildung auf der Webseite der Deutschen Suzuki-Gesellschaft)
8. Warum ist die Methode so umstritten?
Höchstwahrscheinlich aus Unkenntnis der Methode: Der Komplex Suzuki-Methode ist nicht im Schnellverfahren und anhand einzelner, singulärer Beobachtungen erfassbar. Genau das geschieht aber oft durch Berichterstatter.
Ein weiterer Grund ist, dass die Bezeichnung "Suzuki-Methode" nicht geschützt ist. Heutzutage kann sich jeder Instrumentallehrer Suzuki-Lehrkraft nennen. Schlechter Unterricht und Scharlatane schaden dem Ruf der Methode.
Oft wird auch gesagt, dass die Suzuki-Methode eine fernöstliche Methode ist, die nicht auf westeuropäische Verhältnisse übertragbar ist. Hierzu schreibt P. Heitkämper:
"Immer wieder wird nach der Übertragbarkeit der Suzuki-Methode gefragt: Suzuki war Japaner. Seine Methode hat typisch Fernöstliches, Japanisches. Können westliches Lernen und westliche Musik mit japanischen Methoden gelernt werden? Ist bei Shinichi Suzuki nicht auch viel Zen seine Namensvetters Daisetsu Teita’ro Suzuki? Dieses unablässige Üben, die Übefreudigkeit, die Konzentration, die Genauigkeit der Ausführung?
Aber: Ist es nicht gerade dieses, was uns so fasziniert, was wir im Westen brauchen? Eine Synthese dieses konzentrativen Zen mit der chaotischen Kreativität, die unser Gehirn so stark fordert? Diese 90 % Transpiration und 10 % Inspiration? Dies macht, so sagt uns Goethe, das Genie aus. Transpiration mit Enthusiasmus. Konzentration und Kreativität. Insofern ist die Suzuki-Methode wahrhaft eine Talenterziehungsmethode."